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Tragen 40% der Deutschen echt einen Alu-Hut?

Es gibt Dinge, die lassen sich schwer erklären. Warum Socken nach der Wäsche verschwinden. Warum der Drucker immer dann streikt, wenn man ihn dringend braucht. Und warum manche Menschen felsenfest überzeugt sind, dass hinter jedem Kondensstreifen am Himmel ein geheimer Chemie-Großangriff steckt.

Da blickt man morgens aus dem Fenster, sieht ein Flugzeug und denkt sich ganz naiv: „Ach, schön, jemand fliegt nach Mallorca.“ Der geübte Schwurbel-Sherlock dagegen erkennt sofort die Wahrheit: Operation Gehirnweichspülung läuft auf Hochtouren. Wahrscheinlich gesteuert von einer geheimen Weltregierung, die ihre Sitzungen selbstverständlich in einer wüsten Gegend in Texas in den USA abhalten.

Besonders faszinierend ist die erstaunliche Vielseitigkeit moderner Verschwörungstheorien. Früher musste man sich wenigstens entscheiden: UFOs, Geheimbünde oder unterirdische Echsenmenschen. Heute gibt es das alles praktischerweise im Kombi-Paket. Wie beim Discounter: zwei Weltuntergänge kaufen, einen gratis dazu.

Und wehe, man fragt höflich nach Beweisen. Dann wird es kompliziert. Denn der fehlende Beweis ist natürlich der eigentliche Beweis. Logik macht an dieser Stelle meist denselben Eindruck wie ein Veganer auf einem Schlachtfest, zwar vorhanden, aber wenig willkommen.

Besonders beliebt ist die Vorstellung, dass Regierungen weltweit gemeinsam jahrzehntelang gigantische Geheimprojekte koordinieren. Das klingt beeindruckend. Dieselben Behörden, die manchmal schon an einem neuen Online-Formular oder einer funktionierenden und pünktlichen Bahn scheitern, sollen also nebenbei lautlos globale Superpläne durchziehen. Das verlangt Respekt oder zumindest sehr viel Fantasie.

Die Corona-Jahre haben diesem Hobby zusätzlich Rückenwind verliehen. Plötzlich wurde jeder WhatsApp-Status zur Außenstelle internationaler Geheimdienstarbeit. Der Nachbar, der vorher kaum den WLAN-Router bedienen konnte, entpuppte sich über Nacht als Virologe, Geostratege und Satellitenexperte mit Nebenfach Weltrettung. In dem Zusammenhang: demnächst haben wir auch wieder 80 Millionen Fussballtrainer.

Aber zurück zum Thema: Natürlich darf jeder glauben, was er möchte. Freiheit bedeutet schließlich auch, überzeugt zu sein, dass Elvis immer noch lebt und gerade gestern auf der Düsseldorfer Kö einen Kaffee im Starbucks getrunken hat. Schwierig wird es nur, wenn aus wilden Behauptungen angebliche Wahrheiten werden und Fakten denselben Stellenwert erhalten wie Horoskope auf der Rückseite einer Fernsehzeitschrift.

Vielleicht brauchen wir deshalb keinen größeren Aluhut, sondern einfach öfter einen nüchternen Blick und die mutige Frage: „Könnte es eventuell auch sein, dass ein Flugzeug einfach nur ein Flugzeug ist und hinten rausdampft?“

Und falls jetzt jemand empört protestiert: Keine Sorge. Dieser Text wurde selbstverständlich nicht von einer geheimen Weltregierung oder unseren sogenannten Staatsmedien diktiert. Zumindest hat sich bei mir bisher noch niemand gemeldet. Und es ist auch nicht richtig, dass ich wegen meiner politischen Meinung monatlich einen dicken Scheck von der Antifa überwiesen bekomme. Die anderen, denen es immer unterstellt wird, allerdings auch nicht.

Foto: chatgpt KI