
Groß angekündigt, kläglich gelandet. Bei einer Demo in Berlin hätte der Veranstalter am liebsten die Eine-Million-Marke geknackt. Es wurden dann doch nur so um die 5.000 Teilnehmer. Aber statt zuzugeben, dass das Interesse wohl eher überschaubar war, mussten natürlich sofort wieder völlig durchsichtige Entschuldigungen her, um den Reinfall irgendwie zu kaschieren.
Die Storys, die danach aufgetischt wurden, sind Realsatire pur. Da hieß es zum Beispiel, die Polizei hätte mindestens sechs Busse und zwei bis drei Autokorsos einfach nicht durchgelassen. Warum? Na ja, die sollten schlichtweg woanders parken, weil kein Platz mehr war, und dann ganz entspannt mit Bus und Bahn zum Brandenburger Tor fahren. Völlig normales Logistik-Prozedere bei Großveranstaltungen. Bei den Teilnehmern wird so etwas dann aber sofort als „Behinderung der Demo“ geframed. Frei nach dem Motto: „Man darf hier ja quasi gar nicht mehr demonstrieren und eine Meinungsfreiheit gibt es sowieso nicht mehr!“ Die übliche, gähnend langweilige Opferdarstellung eben. (Abgesehen davon: sechs Busse, ca. 350 Gäste und 2 oder 3 Autokorso, so wie die meisten aussahen, vielleicht nochmal 200 Leute. 550 Menschen mehr hätten den Kohl also auch nicht fett gemacht.)
Die Störchin auf dem Balkon
Und dann gab es da noch zwei Vorfälle, die bis jetzt in den sozialen Medien bis zum Abwinken hochgepuscht werden. Erster Aufreger: An einem Bundestagsgebäude, in dem sich die Büros der Fraktionen befinden, gibt es ganz oben einen Balkon. Und von genau dort aus hat ein „Storch“ der AfD fleißig den Demoteilnehmern mit der Deutschlandfahne zugewunken.
Nun hat diese Störchin (Beatrix von Storch) anscheinend die Hausordnung des Deutschen Bundestages noch nicht so ganz verinnerlicht. Da heißt es nämlich ganz offiziell:
- Verbot von sichtbaren Aushängen: Die Hausordnung untersagt das Anbringen von Aushängen, Plakaten oder eben Flaggen an Fenstern, Balkonen und Fassaden der Bundestagsgebäude, die von außen wahrgenommen werden können.
- Gleichbehandlung aller Symbole: Diese Regelung gilt völlig unabhängig vom Inhalt oder der konkreten Symbolik der Flagge. Es betrifft die Deutschland- und Europafahne ebenso wie die Regenbogenfahne oder andere politische Banner.
- Zweck der Regelung: Die Gebäude des Bundestages dienen der parlamentarischen Arbeit. Das Verbot soll sicherstellen, dass die Fassaden des Parlamentsgebäudes neutral bleiben und nicht für politische Kundgebungen, Demonstrationen oder einseitige Meinungsbekundungen nach außen genutzt werden.
Tja, das können Störche natürlich nicht wissen. Sind ja auch noch nicht so schrecklich lange im Bundestag… Jedenfalls kam zwar nicht Frau Klöckner (kleiner Insider), aber ein Bundestagspolizist und untersagte Frau von Storch dieses Verhalten.
Der missbrauchte Mythos vom „Fahnenverbot“
Das „Volk“, oder zumindest ein ganz bestimmtes Volk inklusive der kompletten AfD-Riege, schlachtet das jetzt natürlich bis aufs Letzte aus. Das neue, dramatische Motto lautet: In Deutschland darf man keine Deutschlandfahne mehr zeigen!
Was für ein völlig absurder Quatsch. Natürlich darf man das. Auch jetzt, oder gerade erst recht zur WM in den USA.
Was diese blaue Partei aber nicht checkt: Mit ihrem ewigen, penetranten Fahnenwahn hat sie die deutsche Flagge im Prinzip schon längst entehrt. Wenn Schwarz-Rot-Gold für jeden erdenklichen Kram missbraucht wird, ist die Symbolik dahinter irgendwann nichts mehr wert. Aber im Endeffekt möchte diese Partei unsere Straßen ja ohnehin wieder so aussehen lassen wie vor gut neunzig Jahren. Auf ihren Parteitagen bekommt man ja manchmal schon genau diesen Eindruck.
Und dann war da noch… die Sache mit den Trommeln
Ach ja, da war ja noch was. Wegen der vermeintlich verpassten Millionen-Demo trommeln die Teilnehmer nun gefühlt überall, bis der Arzt kommt. Der Grund für den plötzlichen Rhythmus-Überschuss: Polizisten hatten auf der Demo das Trommeln wegen eines angeblich „militärischen Klangs“ verboten.
Ganz ehrlich? Das habe allerdings selbst ich nicht so ganz verstanden. Da schüttele ich auch den Kopf. Zumal man, wie so oft, nicht genau weiß, was im Vorfeld eigentlich wirklich vorgefallen ist.
Was bleibt also unterm Strich? Viel Lärm um fast nichts, jede Menge künstliche Aufregung und eine Partei, die sich im Dauer-Opfermodus am wohlsten fühlt.
Foto: KI – Sollen so unsere Straßen wieder aussehen?
