
Heute gehe ich in der Lesung zwei Jahrzehnte nach vorne. Mit einem Ausschnitt zur Entstehung der großen Waldheim-Festivals.
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Das Einzige, was wirklich hängen blieb: Das Waldheim Open Air durfte in Zukunft nicht mehr im Wald stattfinden. Die Feuerwehr hatte nach dem heißen Sommer klare Ansagen gemacht. Hunderte Autos mitten im Wald – das war schlicht ein zu großes Risiko für Brände.
Es musste sich etwas ändern. Die ersten Überlegungen, das Festival auf eine andere Fläche zu verlegen, führten allerdings schnell zu ernüchternden Ergebnissen. Ein eintägiges Open Air außerhalb des Waldes wäre zwar machbar gewesen – aber die Kosten lagen irgendwo zwischen „sportlich“ und „völlig verrückt“.
Und genau aus dieser Ernüchterung entstand – wie so oft bei uns, meistens nach ein paar Bier zu viel – eine neue, ziemlich schräge Idee.
Die großen Festivals beim Waldheim – Medien und Musik
„Warum klein denken?“ sagte Toschi und ich gleichermaßen eines Abends, als die Diskussion wieder einmal ins Stocken geriet. „Lasst uns was richtig Großes machen. Roskilde-Style. Mehrere Bühnen, Kleinkunst, Stände, das volle Programm.“
Die Idee setzte sich in unseren Köpfen fest, und nach weiteren „Konferenzen“ am Tresen im Waldheim waren die entscheidenden Leute überzeugt. Ein dreitägiges Festival wurde geboren – ambitioniert, größenwahnsinnig, aber irgendwie unwiderstehlich.
Das Fundament des Plans
Der erste Schritt war die Suche nach einem Gelände außerhalb des Forstes. Lars, Peter und andere kontaktierten die umliegenden Bauern, und dank deren guter Vernetzung – viele von ihnen waren selbst Gäste dort – war die Lösung schnell gefunden: Eine riesige Fläche westlich des Waldes wurde uns zugesagt. Dort sollten Festivalplatz sowie Camping- und Parkflächen entstehen.
Die Gründung der Festival-GmbH
Fünf mutige Seelen – mich eingeschlossen – gründeten eine GmbH, die als rechtliche Basis des Festivals dienen sollte. Ich hatte zwar kein Kapital einzubringen, aber die anderen akzeptierten mich trotzdem als gleichberechtigtes Mitglied.
„Wir wissen doch, dass du keine Kohle hast, Mario,“ meinte einer der Teilhaber. „Wir brauchen aber den Enthusiasmus und die Kontakte von dir und deinen Mitstreitern.“
Toschi und ich übernahmen die Verantwortung für die kreative Seite des Festivals: Künstler, Bands, Bühnen, Technik und die gesamte PR-Arbeit. Die anderen Mitglieder der GmbH kümmerten sich um die Infrastruktur.
Es war eine klare Arbeitsteilung:
• Toschi und ich: Inhalt und Außenwirkung.
• Der Rest der GmbH: Das Fundament – von Zäunen über Tischler-arbeiten bis hin zur Wasser- und Abwasserversorgung.
Sonnenblumen als Symbol
Ein markantes Logo musste her, und die Wahl fiel auf die Sonnenblume. Sie wurde das Herzstück unserer Festival-Identität – eine Mischung aus Lebensfreude und Naturverbundenheit.
Heike, die kreative Seele im Team, entwarf und fertigte inihrer Manufaktur T-Shirts mit dem Sonnenblumen-Emblem.
„Das wird was. Wir werden uns die beste Mühe geben,“ meinte Toschi, während wir schon die ersten Agenturen kontaktierten.
Die ersten Schritte
Ende 1992 begann die eigentliche Arbeit. Toschi und ich mussten uns in völlig neue Bereiche einarbeiten.
„Wir sind wieder einmal Lehrlinge, aber hey, jeder fängt mal an,“ sagte ich, als wir vor einem Berg von Aufgaben saßen, die wir in dieser Form und Anzahl für eine einzige Veranstaltung noch nie gehabt hatten.
Die Herausforderungen waren gigantisch, aber meine Euphorie war ungebrochen. Zum ersten Mal seit langer Zeit hatte ich wieder das Gefühl, Teil von etwas Großem zu sein – etwas, das größer war als ich selbst, größer als der Copyshop und vielleicht sogar größer als die Probleme des Alltags.
Tischler und Zimmerleute bastelten die ersten Häuschen, Kassenhütte, aber auch ein schickes Eingang-stor. Ein Elektriker aus dem Bekannten-kreis verbrachte Monate damit, Ver-teilerkästen zusam-menzubauen und eine funkti-onierende Strom-versorgung für das riesige Gelände zu planen. Es war ein Balanceakt zwischen Improvisation und Professionalität, denn das Budget war knapp, aber die Anforderungen hoch.
„Das hier ist keine Schützenfestbeleuchtung,“ brummte der Elektriker, während er mitten in einem Kabelsalat steckte. „Ihr wollt ein Festival? Das ist ’ne andere Liga.“

Die Infrastruktur wächst – vorerst in der Planung
Die Wochen und Monate vergingen, und Stück für Stück nahm das
Gelände auf dem Papier Gestalt an. Heike hatte einen provisorischen Plan vom Festivalplatz und dem Backstagebreich ge-zeichnet. Zufahrtswege, Zäune, Eingänge, die Plätze für die drei Bühnen, Toilettenwagen und vieles mehr wurde schon sichtbar – auf dem Plan.
Die Herausforderung bestand nicht nur darin, ein funktionierendes Gelände zu schaffen, sondern auch eines, das den wachsenden Ansprüchen eines Festivals gerecht wurde, das organisatorisch plötzlich weit über alles hinausging, was wir je erlebt hatten.
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