
Manchmal muss man gar nicht weit reisen, um spannende Geschichten zu entdecken. Ein Blick in die Vergangenheit unserer eigenen Region reicht völlig aus. Und wenn dann auch noch ein Autor aus Nordfriesland stammt, werde ich natürlich neugierig. Schließlich kommen gute Geschichten nicht nur aus Berlin, München oder sonst irgendwelchen literarischen Hochburgen. Nein, auch der hohe Norden hat da einiges zu bieten.
Einer, der das beweist, ist Marten Petersen. Der 1952 in Nordfriesland geborene Autor hat mit seinem historischen Roman „Schicksalswende“ ein neues Buch vorgelegt, das uns in eine Zeit entführt, in der das Leben auf der Schleswigschen Geest alles andere als ein gemütlicher Spaziergang war.
Ein hartes Leben auf der Geest
Wir schreiben die Zeit um 1800. Die Schleswigschen Geestgebiete gehören damals noch zu Dänemark. Armut, harte Arbeit und wenig Aussicht auf ein bequemes Leben bestimmen den Alltag der Menschen. Von Urlaub, Freizeitstress oder der Frage, ob das Internet gerade funktioniert, kann hier natürlich noch keine Rede sein. Die Sorgen waren damals etwas grundlegender.
Im Mittelpunkt der Geschichte steht Hans Hansen, ein Bauernsohn aus Sollwitt. Nach dem Tod seines Vaters verlässt er den elterlichen Hof. Sein Ziel: Als Soldat will er Geld verdienen, um seine Mutter und seine Schwester unterstützen zu können. Eine Entscheidung, die sicherlich nicht leichtfällt, denn wer verlässt schon freiwillig seine Heimat, wenn er eigentlich ganz andere Sorgen hat?
Auf der dänischen Insel Mön begegnet Hans der Magd Bodil. Aus der Begegnung wird Liebe, und plötzlich scheint das Glück zum Greifen nah. Doch während die beiden ihre gemeinsame Zukunft vor Augen haben, verändert sich die Welt um sie herum. Die alte Ordnung gerät ins Wanken, neue Zeiten brechen an und das Schicksal nimmt seinen Lauf.
Nach zehn Jahren in der Fremde kehrt Hans schließlich zurück. Nicht mehr als der einfache Bauernsohn, der einst seine Heimat verlassen hatte, sondern als neuer Herr des Griereshofes. An seiner Seite ist Bodil. Eigentlich könnte nun alles gut werden. Ein Hof, eine gemeinsame Zukunft und endlich die Möglichkeit, das eigene Leben selbst zu gestalten.
Aber wir befinden uns schließlich in einem historischen Roman und nicht in einer Werbebroschüre für ein glückliches Landleben. Zwischen Glück und Unglück liegt manchmal nur ein schmaler Grat. Und so stellt sich die Frage, was das Schicksal für Hans und Bodil noch bereithält.
Ein Autor mit nordfriesischen Wurzeln
Marten Petersen ist kein unbeschriebenes Blatt. Nach seiner aktiven Berufszeit als Unternehmensberater zog es ihn nach Schweden. Seit 2018 lebt er dort mit seiner Familie auf einem Selbstversorgerhof in den Wäldern Smålands, zu dem auch eine Imkerei gehört. Das klingt nach einer interessanten Mischung: ein wenig Natur, ein wenig Selbstversorgung, Bienen und dazu kreative Arbeit. Während andere vielleicht nach Feierabend vor dem Fernseher sitzen, nutzt Petersen seine kreativen Phasen zum Schreiben. Seine Frau Annelie widmet sich der Fotografie und der Aquarellmalerei.
Dass Petersen Geschichten erzählen kann, hat er bereits mehrfach bewiesen. Seine schriftstellerische Laufbahn umfasst ganz unterschiedliche Themen und Genres. Angefangen hat es unter anderem mit Anthologien rund ums Laufen und Reisen. Als passionierter Marathonläufer dürfte er dabei gewusst haben, wovon er schreibt. Schließlich ist ein Marathon auch eine Geschichte mit Höhen, Tiefen und der einen oder anderen Krise unterwegs.
Später folgten weitere Sammlungen, skurrile Weihnachtsgeschichten und historische Stoffe. Mit „Leif – ein Wikingerabenteuer“ widmete er sich bereits 2017 der nordischen Vergangenheit. Auch Thriller gehören zu seinem Repertoire. 2020 erschien sein Psychothriller „Rache an Mittsommer“, der gleichzeitig in schwedischer Sprache unter dem Titel „Tjejen från Tveta“ veröffentlicht wurde.
Man sieht: Der Mann lässt sich literarisch nicht so leicht in eine Schublade stecken. Und das ist ja durchaus eine angenehme Eigenschaft, sowohl bei Autoren als auch bei Menschen im Allgemeinen.
Mein Fazit
Mit „Schicksalswende“ macht ein weiterer Autor mit nordfriesischen Wurzeln wieder auf sich aufmerksam. Marten Petersen verbindet in seinem historischen Roman eine Liebesgeschichte mit den gesellschaftlichen Umbrüchen um 1800 und verlegt das Geschehen in eine Region, deren Geschichte bis heute eng mit unserer Heimat verbunden ist.
Wer historische Romane mag, sich für das Leben auf der Schleswigschen Geest interessiert und gern wissen möchte, wie es Hans Hansen und seiner Bodil ergeht, sollte einen Blick auf das Buch werfen. Vielleicht ist „Schicksalswende“ ja auch eine Gelegenheit, sich einmal wieder mit der Vergangenheit unserer Heimat zu beschäftigen. Denn die war nicht immer gemütlich, romantisch oder idyllisch. Aber an Geschichten hat es ihr ganz offensichtlich nicht gefehlt.
Zum Buch: „Schicksalswende“ von Marten Petersen
- Autor: Marten Petersen
- Verlag: Boyens Buchverlag
- Erscheinungstermin: 12. Oktober 2026
- Umfang: 256 Seiten
- Format: Taschenbuch
- Sprache: Deutsch
- ISBN: 978-3-8042-1610-5
