
War ja klar: Kaum setzt man sich zur Ruhe, passiert nicht mehr viel. Großartige Veranstaltungen plane ich schon gar nicht mehr. Mit wem auch? Selbst die immer noch auf dem Papier existierende Rockinitiative Nordfriesland betreibt inzwischen absolut keine Aktivitäten mehr. Ich glaube, viele Vereinsmitglieder denken nicht einmal mehr an Rocki NF. Mitgliedsbeiträge werden ja schließlich auch schon seit Jahren nicht mehr eingezogen.
Immerhin habe ich hier noch einige Unterlagen, Protokolle und Pressemeldungen aus den 80er- und 90er-Jahren herumliegen. Da werde ich sicherlich noch die eine oder andere kleine Geschichte herauspicken und hier oder bei Facebook veröffentlichen. Mal schauen.
Aber was geschah eigentlich seit Januar?
Okay, im Januar hatte ich meinen fünfundsiebzigsten Geburtstag. Und da ich weder meinen Sechzigsten noch meinen Siebzigsten groß gefeiert habe, dachte ich ursprünglich: Den 75. musst du mal ordentlich begehen. Mit Rockband, gutem Essen, Getränken und vielen alten Freunden. Nun liegt der Januar bekanntlich direkt nach Weihnachten und vor allem vor den alljährlichen Rechnungen. Finanziell also schon immer ein ziemlich beschissener Monat. Und mit der Rente wird das bekanntlich auch nicht besser.
Mein Sohn schlug noch vor, ich solle eine Buddelparty machen. Dabei hat er wohl vergessen, dass ich 75 geworden bin und nicht 20. Ich glaube, einige der eingeladenen Gäste hätten ziemlich blöd geguckt, wenn der alte Mann plötzlich von den Gästen verlangt, sie sollen Speis und Trank selber mitbringen.
Also haben Barbara, ihre Mutter und ich ganz gemütlich zu dritt bei Bärbel und Uwe im Langenhorner „Bai üs“* gespeist. Und das war auch gut so. Ich hoffe, ich schaffe noch den Achtzigsten. Und dann schauen wir mal weiter. 😉 – *Im „Bai Üs“ in Langenhorn könnt ihr übrigens mein Buch während der Öffnungszeiten ebenfalls bekommen.
Wobei: Ich alter Mann musste natürlich gleich wieder auffallen, indem ich, kaum waren die Getränke serviert, mein Glas mit einem gekonnten Schwung umwarf, es aber doch noch so halten konnte, dass es nicht auf dem Boden landete. Allerdings verteilte sich die bierhaltige Flüssigkeit dafür großzügig auf dem Tisch und dem Fußboden.
Svea, die Tochter der Wirtsleute, putzte dann, wie immer mit strahlendem Lächeln, Tisch und Boden. Nicht ohne zu erzählen, dass ihr so etwas auch ständig passiert. Das beruhigt mich und zeigt mir: Auch in einem schicken Restaurant kann man sich benehmen wie zu Hause.
Wenn ich mal wieder in Hamburg bin, gehe ich vielleicht an die Binnenalster ins Restaurant vom Vier Jahreszeiten. Und werde als Erstes mein Bier über den Tisch verteilen. „Dann wissen die dort sofort: Der Mann fühlt sich wohl in unserem Speisesaal. Vielleicht bekomme ich ja sogar einen Stammplatz – vorsichtshalber direkt neben dem Wischmopp.“ 😄
Die schrecklichste Nachricht kam im März. „Schoppi“, also Kurt Schröder, der Freund, mit dem ich jahrzehntelang auf Festivals, Stadtfesten und sonstigen Feierlichkeiten unterwegs war, starb völlig überraschend. Viel zu jung.
Als Schoppi übrigens 50 wurde, standen wir einmal in Husum in der Woldsenstraße auf dem Balkon. Damals sagte er recht froh: „Schon so viele sind vor mir gestorben, und ich habe sie alle überlebt.“
Und das hat er tatsächlich noch mehr als zwanzig Jahre geschafft. Irgendwann werde ich ihm folgen. Und dann geht die Party hoffentlich im Himmel weiter. Oder in der Hölle. Man weiß es nicht. Vielleicht gibt es ja für alte Rocker sogar einen eigenen Bereich.
Und ich hoffte noch, dieses Jahr wohl zum letzten Mal, mit Schoppi Wacken unsicher machen zu können. Ich habe ja seit einem Jahr kein Auto mehr, in seinem Mercer hätten wir beide wunderbar schlafen können. Und allein dorthin bringt mir keinen Spaß. Ohne Schlafmöglichkeit sowieso nicht. Pressezugang habe ich ja immer bekommen, die Ära geht also nun auch zu Ende. Wie eben alles mal zu Ende geht. Aber ich lebe jedenfalls noch. Hätte Schoppi bestimmt auch gerne.
Okay, das Tønder Festival werde ich wohl nochmal besuchen in diesem Jahr.
Zum 1. Mai 2026 haben Barbara und ich dann einen kleinen Wochenendtrip nach Lübeck, ihrer alten Heimatstadt, gemacht. Es war sehr schön dort. Immer mal wieder etwas Neues kennenzulernen, schadet schließlich nicht. Und Fotos für meine Online-Magazine brauche ich ja immer noch.
Aber mein Buch haben doch schon viele Bekannte und Verwandte bekommen und auch gelesen. Gemeckert hat bisher keiner. Eher im Gegenteil. Und das ist natürlich schön für mich.
Und nun ist schon Juni. Gestern waren wir mal im Amsinck-Haus und haben die Band „Jazzküche“ gesehen und gehört. Na ja, Jazz war nie so richtig mein Ding. Aber musikalisch war das schon ziemlich beeindruckend, was die eine Dame und die sechs Herren da auf die Bühne gebracht haben.
Fotos: Mario De Mattia (Jazzküche)
