
Auf die besten Ideen komme ich bekanntlich nicht selbst. Dafür habe ich ja meine Barbara. Diesmal lautete ihr Vorschlag: „Lass uns doch einen Tagesausflug auf die dänische Insel Ærø machen.“
Gesagt, gebucht, gemacht.
Ærø liegt irgendwo in der dänischen Südsee unterhalb von Sønderborg und ist nur mit der Fähre erreichbar. Schon die Überfahrt hatte Stil: Wir fuhren mit der Elektrofähre „Ellen“. Das klingt zwar eher nach einer netten Nachbarin als nach einem Schiff, brachte uns aber völlig emissionsfrei auf die Insel.
Nur das Wetter hatte offensichtlich beschlossen, sich an diesem Tag krankschreiben zu lassen. Es war vermutlich das unerquicklichste Sommerwetter, das Dänemark gerade im Lager hatte. Aber was soll’s, gebucht ist gebucht. Regen storniert schließlich keine Fähren.
So wie es aussieht, war das dann wohl auch schon mein Jahresurlaub. Für größere Reisen reicht das Budget momentan eher nicht. Wobei, ganz ausgeschlossen ist ein längerer Aufenthalt natürlich nicht. Mit etwas Glück darf ich demnächst vielleicht für eine Woche oder so ins Krankenhaus einchecken. Die wollen dort vermutlich einige meiner über Jahrzehnte liebevoll gepflegten Raucherschäden beseitigen, verstopfte Arterien freischaufeln oder notfalls gleich ein paar Ersatzteile einbauen.
Hat ja auch Vorteile: Vollpension, eigenes Zimmer, medizinischer Rundum-Service und das Ganze sogar auf Krankenkassenkosten. Andere buchen Wellnesshotels, ich bekomme vielleicht eine Generalüberholung.
Am meisten fasziniert hat mich allerdings eine Geschichte über Ærø selbst.
Dort leben rund 6.000 Menschen und es gibt genau anderthalb Polizisten.
Der halbe kommt allerdings nur im Sommer. Der ganze Polizist hat so wenig zu tun, dass er nebenbei noch einen Laden betreibt. Das nenne ich effiziente Personalplanung.
Offenbar funktioniert das auch hervorragend. Bis irgendwann einmal ein besonders übereifriger Kollege zusätzlich auf die Insel versetzt wurde. Der kam tatsächlich auf die verrückte Idee, Falschparker aufzuschreiben. Und als wäre das nicht schon schlimm genug, hielt er auch noch Autofahrer an und kontrollierte, ob sie vielleicht einen kleinen Schluck getrunken hatten.
Das war den Inselbewohnern dann doch entschieden zu viel Ordnung. Kurzerhand wurde eine Petition gestartet. Ziel: Der Polizist muss weg.
Und tatsächlich – die Petition hatte Erfolg.
Seitdem herrscht auf Ærø wieder Frieden. Der Stammpolizist verkauft weiter seine Waren, der Sommerpolizist erscheint pünktlich zur Saison, und niemand kommt auf die absurde Idee, den Menschen ihren kleinen dänischen Inselalltag unnötig kompliziert zu machen.
Manchmal frage ich mich wirklich, ob wir nicht alle ein bisschen mehr Ærø brauchen.
Foto: Mario De Mattia
PS: Wer Fotos der Insel schauen möchte, findet sie hier in meinem Magazin für Dänemark.
