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Lesung online: Die 40 Stunden von Nordfriesland

Heute gehe ich mal in meinen kleinen Online-Lesungen einen großen Schritt ins neue Jahrtausend, nämlich ins Jahr 2003. Und diesmal findet ihr einen ungewöhnlichen Ausschnitt, nämlich ein paar erste Worte von mir und danach ein Ausschnitt aus dem Beitrag meines Sohnes Simon. Viel Spaß. Den Rest findet ihr natürlich in meinem Buch, Bestellmöglichkeit ist hier

Mit Simons wachsender Begeisterung für Computerspiele kam auch die nächste große Idee: Warum nicht eine LAN-Party veranstalten? Schließlich hatte ich die Kontakte, das technische Verständnis und das Organisationstalent.  Und so wurde aus einem Vater, der sonst vor allem Homepages programmierte, plötzlich der Veranstalter eines der ersten großen Gaming-Events in Nordfriesland.

Von der Idee zur Umsetzung
Die Pläne für die „40 Stunden von Nordfriesland“ begannen bei mir bereits Ende 2002. Mit meiner Affinität zu neuen Technologien sah ich das wachsende Interesse an LAN-Partys – diese Mischung aus sozialem Treffen und digitalem Wettkampf – als perfekte Gelegenheit, etwas Besonderes in der Region zu schaffen.
Eine Internetseite wurde von mir aus dem Boden gestampft, das Design  schlicht, aber funktional. Werbung wurde geschaltet, ein Finanzinstitut und ein Möbelladen aus Bredstedt als Sponsoren gewonnen. „Das wird ein Knaller, Simon,“ sagte ich eines Abends, während ich noch die letzten Details klärte. „40 Stunden, Computer, Pizza und Zocken. Was will man mehr?“
Simon, der mit leuchtenden Augen daneben saß, konnte es kaum erwarten. „Und ich darf mitmachen?!
Ich grinste. „Na klar. Solange ich als Aufsicht dabei bin, wird das schon keiner beanstanden. Außerdem mache ich das ja für dich und euch.“

So, und nun lasse ich hier mal meinen Sohn Simon zu Wort kommen…

Es folgt ein Gruß-Kapitel von Simon aka Sohn 4:

Wahrscheinlich sprengt es jede literarische Norm, dass mitten in einem Roman ein “Gruß-Kapitel” in einer völlig anderen Erzählweise erscheint. Doch da halt’ ich es einfach wie mein Alter seit Jahrzehnten: Einfach machen!

Warum ich überhaupt? Mein Vater hat mich im Zuge der Roman-Niederschrift gebeten, ein paar Sätze zum Kapitel “NF-LAN” zu verfassen. Was für den Großteil der geneigten Leser bis hierhin sicherlich erstmal nur fünf Großbuchstaben und ein Bindestrich sind, ist eine Abkürzung für: Nordfriesland-LAN. Mist. Das reicht noch nicht. Komplett ausgeschrieben wäre es Nordfriesland-Local-Area-Network + Party. Herrgott, wie kompliziert. Es war halt eine LAN-Party. Das wiederum haben sicherlich schon viele gehört.

Bevor wir zur eigentlichen NF-LAN kommen, sei mir ein kurzer Schwenk zu meiner Jugend erlaubt, der das Zustandekommen der LAN-Party jedoch sinnvoll erklären sollte.

Mein Vater hat mich bereits in sehr jungen Jahren vor den Computer gesetzt. Wenn ich zurückblicke, saß ich schon fast seit Erlangung meines erinnerungsfähigen Bewusstseins –  zumindest im Beisein meiner Brüder oder meines Vaters –  vor einem Rechner. Und bevor ihr werten Leserinnen und Leser dieser Tatsache nun mit einem Kopfschütteln und Raunen entgegnen möchte: Nein, braucht ihr nicht. Ich bin wahnsinnig dankbar dafür, dass ich so früh in den 90ern in den Kontakt mit Computern, Betriebssystemen, Video-spielen und dem Internet gekommen bin. Das hat mir bis in meine spätere berufliche Laufbahn extrem geholfen.

Und bevor ihr jetzt denkt: Super, Simon. Freut uns. Aber wegen deiner Geschichte lesen wir diesen Wälzer nicht, komm zum Punkt. Habt ihr Recht. Der Kreis zur NF-LAN wird jetzt geschlossen.

Durch die tolerante Erziehung meiner Eltern kam ich sehr früh in den Genuss, lange aufzubleiben, Computerspiele zu spielen, die Gleichaltrigen verwehrt waren und in den rebellischen und wilden 2000ern, im Internet neue Freunde zu finden. Dies tat ich hauptsächlich beim Spiel Counter-Strike. Ja, korrekt. Dieses Counter-Strike. Ich werde jetzt niemandem den Gefallen tun und das “K-Wort” benutzen, das damals bei jeder medialen Berichterstattung aufpoppte. Denn es war damals nicht zutreffend und ist es auch bis heute nicht.

Wie auch immer: Ich habe jeden Tag nach der Schule und meinem Fußballtraining den Rechner angeschmissen und Counter-Strike gespielt. Erst allein, später in größeren Gruppen, in Clans, mit Nordfriesen, mit Hamburgern, mit Bayern, Spaniern, Russen, Italienern, Amis – ich denke, ihr habt’s verstanden. In dieser Zeit habe ich viele Kontakte knüpfen können, gerade im lokalen nordfriesischen Counter-Strike Bereich “kannte” man mich. Das ist in der Realität weitaus weniger arrogant als es klingt, wir sprechen bekannterweise nicht über den bevölkerungsdichtesten Teil dieser Erde. Nichtsdestotrotz haben diese Kontakte und vielen Gespräche mit Gleichgesinnten dazu geführt, dass das Verlangen immer größer wurde, eine eigene LAN-Party auf die Beine zu stellen. Die wirklichen großen LAN-Partys gab es in Neumünster, die anderen, kleineren Versuche in benachbarten Landkreisen blieben meist bei einem Versuch. Leider.

Im Zuge von Gesprächen beim Abendessen oder auch im Auto bekam mein Vater von diesem LAN-Party-Bedarf Wind. Und, wie er nun mal so war bzw. ist, wurde innerhalb von wenigen Wochen aus einer losen Idee ein ernsthaftes Projekt. Papa wollte eine LAN-Party organisieren. In Bredstedt. In der BGS-Halle. Welches nicht gerade die kleinste Halle in unserem Kreis war. Also, mit Ambitionen wie ein junger Stefan Raab stürzte sich Papa in dieses Projekt.

Er war Chef-Organisator und grundsätzlich verantwortlich, wir jungen Leute kümmerten uns um die Inhalte der LAN. Welche Turnier-Software nutzen wir? Welche Spiele werden gezockt? Wen kann man noch einladen? Bekommen wir vielleicht einen größeren Clan dazu, die LAN zu besuchen?

Papa kümmerte sich um den Rest. Es wurden Sponsoren gesucht und gefunden. Die Stadtwerke wurden überzeugt, den Strom zu sponsern. Sach- und Geldpreise wurden organisiert. “Foodtrucks” – hießen damals noch “Essenswägen”  – wurden bestellt. Und so weiter. Und so fort. Es waren monatelange Vorbereitungen mit Blut, Schweiß aber ohne Tränen, soweit ich mich entsinnen kann. Insbesondere das für eine LAN-Party nicht ganz unwichtige Thema “Technik” haben wir – wem auch immer sei Dank –  an einen externen Anbieter ausgegliedert. Ich kann mich noch erinnern, dass im Prinzip fünf Minuten vor Einlass noch nichts lief. Aber am Ende des Tages konnten wir die Pforten öffnen und die Menschenmenge strömte in die Halle …

Wie es weiter geht, erfahrt ihr natürlich im Buch

Ein paar Fotos von der LAN in der BGS Halle Bredstedt