Tagebuch 12. Juli: Eichhörnchen am Spieß und andere Erfahrungen

Gestern wollten wir mal etwas völlig Neues erleben. Einen Straßenflohmarkt besuchen, auf dem wir noch nie gewesen waren. Und zwar in Rabel, einer Ortschaft, von der ich bis dahin nicht einmal wusste, dass sie überhaupt existiert. Also fuhren wir über Straßen, auf denen wir ebenfalls noch nie unterwegs gewesen waren. Man merkt schon: Der Tag stand ganz im Zeichen des Unbekannten.„Rabel liegt irgendwo bei Kappeln“, hieß es. Na wunderbar. Also bekam Google Maps den Auftrag, uns sicher ans Ziel zu bringen. Anfangs lief auch alles ganz ordentlich. Doch irgendwann hatte ich das Gefühl, wir wären versehentlich in die norddeutschen Alpen geraten.

Ich bin in meinem ganzen Leben noch nie durch so viele Kurven gefahren. Und dann diese Orte! Esgrus, Schorrehy, Oersberg, Saustrup, Scheggerott… Ich war mir zwischenzeitlich nicht mehr sicher, ob das Ortsnamen oder seltene Hautkrankheiten waren. Die angeblich „kürzeste Strecke“ dauerte für uns gefühlt ungefähr drei Stunden. Aber irgendwann standen wir tatsächlich in Rabel.

Woher kamen bloß all diese Kurven? Meine Theorie ist ganz einfach: Früher gab es dort noch mehr hügelige Landschaften, Bauern mit einem ausgeprägten Besitzdenken und die ersten Wege wurden von Pferden, Reitern und vermutlich auch ein paar störrischen Kühen angelegt. Jahrzehnte später kamen dann die Straßenbauer vorbei, sahen den Trampelpfad und dachten sich: „Ach, reicht doch. Machen wir einfach Asphalt drüber.“ Fertig war die moderne Verkehrsplanung. Und wir dürfen heute jede einzelne Kurve genießen.

Hätte ich vorher einmal genauer auf die Karte geschaut und gesehen, dass Rabel praktisch direkt an der B199 liegt, wären wir selbstverständlich ganz anders gefahren. Aber hinterher ist man ja bekanntlich immer schlauer. Vorher vertraut man Google.

Der Flohmarkt selbst war… nun ja… sagen wir freundlich: groß. Sehr viele Stände, sehr viele Straßen und sehr viele Menschen. Nun hatte meine Barbara ihre Mutter im Rollstuhl dabei und zusätzlich noch mich als beinkranken Beifahrer. Nach einigen Kilometern zwischen Porzellan, alten Kaffeekannen, VHS-Kassetten und Dingen, deren ursprünglicher Zweck vermutlich schon dem Verkäufer unbekannt war, beschlossen wir einvernehmlich den Rückzug.

Jetzt musste nur noch etwas Essbares her. Auf vernünftigem Weg ging es Richtung Heimat. Mit einem kleinen Abstecher nach Missunde. Dort stellte sich allerdings heraus, dass im Restaurant der Strom ausgefallen war. Auch das passte irgendwie perfekt zu diesem Tag. Also weiter nach Süderbrarup. Dort hatte wenigstens der örtliche Dönerladen geöffnet. Endlich etwas zu trinken und für jeden einen Dönerteller. Und ich muss zugeben: Der schmeckte wirklich hervorragend.

Bis ich Oma erklärte, dass Dönerfleisch traditionell aus dem türkischen Eichhörnchen „Türner“ hergestellt wird. Von diesem Moment an ließ ihr der Appetit schlagartig nach.

Eigentlich hätte ich die Geschichte noch ausbauen können. Zum Beispiel, dass ungefähr zehn Eichhörnchen auf einen Dönerspieß kommen und dieser anschließend mit tausend Umdrehungen pro Minute so lange rotiert, bis daraus die bekannte Dönermasse entsteht. Danach wird das Ganze nur noch ein wenig gewürzt und gegrillt.

Ob sie mir das geglaubt hätte? Ich weiß es nicht. Aber eines weiß ich ganz sicher: Beim nächsten Döner werdet ihr garantiert wenigstens für einen kurzen Moment an türkische Eichhörnchen denken.

Bitte keine Vorwürfe. Ich kann schließlich auch nichts dafür, dass meine Fantasie manchmal mit mir durch geht. 😉