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Lesung online: Als fast der „Supermarkt“ in Wobbenbüll abgebrannt wär

Heute mal eine kleine Geschichte aus unseren Anfängen 1979 in Nordfriesland. Wir waren ja von Rendsburg nach Wobbenbüll in Nordfriesland umgezogen. Und hatten dort den Dorfladen übernommen. Unsere Lütten, Marek, Jani und Jörni waren noch klein und somit auch für so einige Überraschungen gut.  Womit sie so einen Laden natürlich auch recht spannend fanden. Ihre Kinderzimmer befanden sich oben im Boden über dem Laden. Recht dürftig im Dachgeschoß hergerichtet.  Aber Luxus war damals noch überbewertet.
Hier also ein kleiner Ausschnitt aus dem Buch:

Das Foto zeigt den Wobbenbüller Laden, per KI nachgearbeitet und geschärft, allerdings ein wenig an den Brand angepasst.

Nach einer kalten Katastrophe nun eine heiße Katastrophe?

Ein warmer Sommertag in Wobbenbüll – die Luft duftete nach frisch gemähtem Gras, und vor dem Dorfladen parkte ein Trecker, der halb so alt war wie sein Fahrer. Helga war wie immer im Laden und plauderte mit Frau Lorenzen, die sich gerade über den Preis von Mehl beschwerte, als plötzlich von oben ein schriller Schrei ertönte.

„Es brennt! Es brennt im anderen Zimmer!“

Marek stand oben an der Treppe, die Augen vor Aufregung weit aufgerissen.

Ich, der gerade auf der Couch vor mich hin gedöst hatte, sprang auf wie von der Tarantel gestochen und war in Sekunden die schmalen Holzstufen hinauf. Als ich die Tür zum Kinderzimmer aufriss, schlug mir der beißende Geruch von brennender Bettwäsche entgegen. Flammen leckten bereits am Kopfkissen und an der Bettdecke von Janis Hochbett. Ohne nachzudenken, riss ich das Fenster auf und schleuderte die glühenden Überreste mit einem kräftigen Schwung hinaus in den Vorgarten.

Von unten hörte ich Helgas Stimme, scharf wie ein Messer:
„Mario! Was machst du da?“

„Ich lösche das Feuer, was denn sonst?“ rief ich zurück, während ich mit einem Handtuch das Bett abklopfte, um die letzten Funken zu ersticken.

Helga stürmte die Treppe hinauf, dicht gefolgt von Marek, der  neugierig in die Tür spähte. Jani stand in einer Ecke, die Hände hinter dem Rücken verschränkt, und betrachtete das Chaos mit einer Mischung aus Scham und Faszination.

Unten vor der Ladentür stieg eine kleine Rauchwolke von der verkohlten Bettwäsche auf. Frau Lorenzen, die immer noch im Laden stand, blickte nach draußen und hob eine Augenbraue.
„Bi jem is ok ümmer wat los, wat?“

Helga, inzwischen etwas ruhiger, stemmte die Hände in die Hüften und fixierte Jani mit einem Blick, der selbst einen Erwachsenen zum Zittern gebracht hätte.

„Was hast du gemacht, Jani?“ Jani zuckte mit den Schultern.

„Ich wollte nur mal eine Zigarre ausprobieren.“ Seine Stimme war erstaunlich unschuldig für einen Fünfjährigen, der fast das Haus abgefackelt hätte. Im Prinzip zeigte Jani schon sehr früh seine teils auch später im jugendlichen Alter oftmals sehr ungewöhnlichen Aktivitäten.

Natürlich musste der Dorfsheriff eingeschaltet werden. Die Versicherung bestand darauf. Sheriff Thomsen, ein gemütlicher Mann mit grauem Schnauzer und einer ausgeprägten Vorliebe für Marzipan, erschien kurz darauf in voller Montur – was Jani sichtlich beeindruckte.

Thomsen nahm alles auf, machte Fotos vom verkohlten Bettgestell und befragte Jani mit ernster Miene: „Junge, du weißt schon, dass du damit das ganze Haus hättest abbrennen können?“

Jani nickte kleinlaut, doch dann blitzte etwas in seinen Augen.
„Aber die Bettdecke brennt jetzt nicht mehr, oder? Papa hat sie aus dem Fenster geworfen.“

Thomsen schnaubte und wollte gerade weiterreden, als Jani mit seinem unschuldigen Charme fragte: „Darf ich mal deine Pistole sehen?“

Helga rang hörbar nach Luft. „Jani! Nein! Das…“

Doch Thomsen, offensichtlich amüsiert von der Dreistigkeit des Jungen, zog tatsächlich die Dienstwaffe aus dem Holster.
„Anfassen nicht, aber angucken darfst du.“

Jani starrte die Pistole an, als hielte der Sheriff einen Schatz in der Hand. Dann drehte er sich zu mir um und grinste breit.
„Ich werde auch mal Polizist!“

Helga schüttelte nur den Kopf und murmelte: „Du wirst vor allem gleich ohne Abendbrot ins Bett gehen, das sag ich dir.“

Der Vorfall wurde von der Versicherung als „Experimentierfreude eines Kindes“ verbucht, und der Schaden am Bett schnell beglichen. Jani war um eine wichtige Lektion reicher: Zigarren sind nichts für Kinder. Trotzdem schien er insgeheim stolz auf die Aufmerksamkeit, die ihm der Sheriff geschenkt hatte. Helga und ich waren da deutlich weniger begeistert.

„Ich sag’s dir, Helga,“ meinte ich eines Abends, als wir in der Küche saßen, „der Junge wird uns noch viel Freude bringen.“

Helga lachte und schlürfte ihren Tee. „Vielleicht wird er ja Feuerwehrmann, Mario. Das ist doch auch was.“