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Online-Lesung: Wenn der Krebs ganze Familienbande zerstört

Das Leben ist manchmal so ungerecht. Es gab eben doch nicht nur Musik, Party, Festivals oder Arbeit. Sondern besonders der Krebs wütete in unserer Familie.  Bei meinem Sohn Jani stellten sie 2005 schon ein gutes Jahr vorher diese Diagnose: Lungenkrebs nicht operierbar. Trotzdem gab es dank Chemo erst einmal Hoffnung. Bis zu diesen Abend in der Diskothek „Sturm & Drang“:

Ich habe jetzt hier für die Online-Lesung das Kapitel verkürzt dargestellt, im Buch ist alles leider viel ausführlicher…

„Als die Dunkelheit zurückkehrte
Das Jahresende 2006 brachte eine Lawine an schlechten Nachrichten mit sich, die jede Hoffnung und Freude im Keim zu ersticken drohte. Erst kam die Nachricht, dass Inge, Helgas Schwester, ebenfalls an Lungenkrebs erkrankt war. Helga nahm die Diagnose ihrer Schwester mit eisiger Fassung auf, doch ich sah, wie sie innerlich zu kämpfen begann.

„Inge ist so stark, sie schafft das. Sie hat immer alles geschafft,“ sagte Helga eines Abends, während sie gedankenverloren an ihrer Teetasse nippte. Doch ihre Stimme hatte einen Hauch von Unsicherheit, der mir nicht entging.

Und dann der Schlag, der alles zu überdecken schien: Jani. Der Krebs war zurück.

Dornbusch Revival Party – Ein letztes Aufbäumen

Die Dornbusch Revival Party im Husumer Sturm & Drang war eigentlich als eine Hommage an bessere Zeiten gedacht – eine Nacht voller Erinnerungen, Musik, Lachen und Freundschaft. Ich hatte sie zusammen mit Jan, Beba, Kuddel und Peter organisiert, und die Gästeliste ließ keine Wünsche offen. Jani war dabei, genauso wie Jörni, Anne, Arno, und sogar Simon ließ sich blicken.

Es war eine ausgelassene Nacht. Der Bass dröhnte, die Gitarrenriffs jagten durch den Raum, und die Getränke flossen reichlich. Jani, der immer noch einen unerschütterlichen Optimismus ausstrahlte, tanzte und lachte, als gäbe es keinen Morgen.

Doch irgendwann in den frühen Morgenstunden sah ich ihn vorne an der Theke sitzen, abseits vom Trubel. Sein Gesicht war blass, seine Augen glasig. Ich ging zu ihm, und er packte mich ohne Vorwarnung am Arm.

„Papa, ich muss mit dir reden.“ Seine Stimme war plötzlich ernst, fast flehend.

Wir gingen ein Stück weg vom Tresentrubel.

„Was ist, Jani?“ fragte ich, während ich versuchte, mich auf das Schlimmste vorzubereiten, denn mein Sohn wirkte plötzlich sehr ernst und irgendwie traurig.

Jani schaute mich direkt an, seine Augen glänzten, nicht nur vom Alkohol. „Ich glaube, der Krebs ist wieder da. Ich merke das. Irgendwas stimmt nicht mit mir.“ Und wiederholte es: „Ich merke das doch!“

Ich wollte widersprechen, wollte ihn beruhigen, doch die Überzeugung in seiner Stimme schnürte mir die Kehle zu.

„Jani… vielleicht ist es nur ein blödes Gefühl. Du hattest so viel durchgemacht, es ist normal, dass du ängstlich bist.“

Doch er schüttelte den Kopf. „Nein, das ist es nicht. Ich weiß es einfach. Es fühlt sich genauso an wie beim letzten Mal.“

Es folgte eine Stille, die schwerer wog als alle Worte. Und dann geschah es – etwas, das wir beide nie offen zugeben würden, wenn andere uns fragten. Wir weinten.

Ich legte meinem Sohn den Arm um die Schulter. „Wir machen das. Du gehst zur Untersuchung, und dann sehen wir weiter. Aber egal, was kommt, wir stehen das durch. Gemeinsam.“

Jani nickte schwach, wischte sich über die Augen und versuchte, die Fassung wiederzuerlangen. „Danke, Papa. Wirklich. Aber jetzt… lass uns zurückgehen. Die anderen merken sonst was.“

Der Abend war für mich vorbei, auch wenn die Party weiterging. Jani zog sich irgendwann zurück, und die Musik konnte das drückende Gefühl der Dunkelheit, die sich wieder auf unser Leben legte, nicht übertönen. Helga fragte am nächsten Tag, was los war, ich mochte es ihr erst gar nicht sagen. Aber musste ich ja. Jani, dann Inge und nun wieder Jani. Dass ist echt zuviel.

…
Trotz unserer düsteren Vorahnungen hatte Janis zweiter Aufenthalt im Krankenhaus Helga und mir Hoffnung gegeben. Die Chemotherapien weckten ins uns die Illusion, der Tumor würde bekämpft und Jani könnte wieder ins Leben zurückfinden. Aber diese Hoffnung hielt nicht lange. Als wir unseren Sohn nach einigen Tagen wieder nach Hause holten, dachten alle für einen kurzen Moment, die Krankheit hätte sich zurückgezogen. Doch ich wusste längst: Das war nur eine dieser billigen Täuschungen, die das Leben so gern verteilt. Denn es hieß ja, ihn könnte wohl nur noch eine Stammzellentherapie das Leben retten.

Leider verschwand auch diese Hoffnung.“
Mehr dazu im Buch.

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