Tagebuch 16. Juni 2026: Vornehm geht meine Welt dem Ende zu

Wer mein Buch schon gelesen hat (unter Kontakt findest Du die Erwerbsmöglichkeiten), weiß, dass ich die gewisse Vornehmheit meiner Mutter nicht so doll fand. Sie ist in Hamburg-Winterhude geboren, und da hat sie viel Wert drauf gelegt. Schließlich hat sie ja auch die Handelsschule besucht. Was eigentlich auch nicht mehr als die spätere Realschule, also Mittelschule, war. Egal.
Sie musste mal eine Weile in Barmbek wohnen, nachdem sie nach dem Krieg ihren Laden in Winterhude dichtmachen musste. Ausgerechnet Barmbek, dieses „niedere“ Arbeiterviertel! (Da kannst du heutzutage die Mieten auch nicht mehr bezahlen). Sie fand aber später wieder eine Wohnung in Winterhude. Für die ganz „vornehmen“ Viertel, also so ab Eppendorf aufwärts, hat es leider nie gereicht.

Wobei ich aber wiederum ein Riesenproblem mit meiner Geburtsstätte hatte. Die mochte ich nie nennen. Bin ich doch im Alsterdorfer Krankenhaus zur Welt gekommen. Mir als Kind aber nur bekannt als Alsterdorfer Anstalten, also da, wo die „Verrückten und Bekloppten“ eingesperrt sind. So jedenfalls meine kindliche Meinung. Das konnte ich doch in der Schule nicht zugeben!

Okay, heute, wo jeder weiß, dass ich „verrückt und bekloppt“ bin, kann ich das ja zugeben.

Aber wie komme ich nun auf diesen ganzen Vornehm-Kram? Klar, jetzt als fast berühmter Buchautor kann ich ja nun nicht mehr zu jedem Dorfarzt pilgern. Ich suchte also einen Lungenspezialisten und nun auch einen Hautarzt. Gefunden habe ich beide in Westerland auf Sylt. Denn auf dem Festland hieß es entweder: „Wir nehmen niemanden mehr an“, oder der Termin war in ein, zwei Jahren. Das aber kann ich meinen Kindern nicht antun. Nachher versterbe ich vorher, bin ja schon 75 Jahre alt, dann müssen die noch mitsamt meiner Urne zum Arzt, damit sie keine Gebühr für den versäumten Termin bezahlen müssen. Soll ja wohl eingeführt werden. So eine Gebühr.

Nun habe ich also ganz vornehm auf der Insel meine Arzttermine. Morgen. Um 8 Uhr beim Hautarzt, um 11 Uhr beim anderen Arzt. In der Pause dazwischen kann ich mich dann ins Café Orth auf die Veranda setzen und die Leute beobachten.

Vielleicht sind ja auch meine Autorenkollegen vor Ort: Sebastian Fi., Erich Kä. und Engelbert Hu.. Sebastian Fi. hat bekanntlich das Drehbuch für das Video „Thriller“ von Michael Jackson geschrieben, Erich Kä. im letzten Jahrtausend eine lustige Doku über die damalige Gesamtschule und Engelbert Hu. das bekannte Horror-Märchen „Hänsel und Gretel“. Wobei ich mich immer noch frage, ob Gretel das wirklich gut gefunden hat, dass Hänsel statt seines Fingers immer nur einen Knochen hingesteckt hat.

So, das war es für heute. Morgen werde ich dann mal mitteilen, wie viel TÜV ich noch habe. Vorausgesetzt, die Bahn fährt überhaupt.