Tagebuch 17. Juni 2026: Man geht in Westerland nicht ohne Helm einkaufen

In meiner Biografie ist ja nachzulesen, dass der Krebs in meiner engsten Familie leider schlimm zugeschlagen hat: Mein erster Sohn ging mit 32, meine Frau kurz vor ihrem 65. Geburtstag. Auch bei der Verwandtschaft meiner Frau schlug das Schicksal erbarmungslos zu, mein Schwager Frank verlor ebenfalls seine Frau. Die anderen Schwestern hatten Gott sei Dank etwas mehr Glück, trotz eigener Krebserkrankungen.

In meiner eigenen Gen-Linie dagegen? Praktisch kein Krebs bekannt. Bei uns fällt man traditionell einfach irgendwann spontan um. Also nicht völlig grundlos, an irgendwas muss der Mensch ja schließlich hinfortziehen, aber in meiner Ahnenreihe bevorzugte man ganz klassisch Bluthochdruck, Schlaganfall oder Herzinfarkt. Ich hatte also die berechtigte Hoffnung, dass der Krebs mich gefälligst übersieht und ich mich eines Tages auch einfach elegant und schmerzfrei langlege.
Ganz schön schwerer Stoff heute, ich weiß.

Nun meinte mein Hausarzt neulich aber, einen Fleck entdeckt zu haben, der verdächtig nach „Überweisung zum Dermatologen“ aussah. Deshalb ging es heute auf die Insel Sylt nach Westerland. Und siehe da: Entwarnung! Glück gehabt. Ist nur irgendein optischer Flappen, der im Alter eben so sprießt. Ich sage ja immer: Spätestens ab dreißig fängt der Mensch langsam, aber sicher an zu verschimmeln. Und mancher hilft ja mit Rauch, fettem Essen und Gott weiß was noch kräftig nach, um den Prozess zu beschleunigen.

Wo ich schon mal da war, habe ich gleich zwei Ärzte im Doppelpack abgearbeitet. Nachdem ich nun bald sechs Monate rauchfrei bin, scheint sich die Lunge tatsächlich ein klein wenig zu erholen. Also alles wunderbar.

Beim Lungendoktor hing übrigens das Bild schief, ganz schön schief sogar. Ich wollte schon instinktiv die Hand anlegen und es gerade rücken, aber im letzten Moment ging mir Loriot durch den Kopf. Ich habe es also lieber hängen lassen, bevor ich das komplette Sprechzimmer in Schutt und Asche lege.

Zum Abschluss noch fein gespeist und eine Runde durch die Stadt gebummelt. Vorsichtshalber habe ich mir an einer Baustelle erst mal einen Helm gemopst (und ihn später brav wieder zurückgegeben) und bin nur strikt in der Straßenmitte gelaufen. Ich traue den Westerländer Vordächern nämlich nicht mehr über den Weg.
Fazit: Es war ein schöner Tag!

Foto: KI