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Buchlesung: Wallsbüll Open Air und ein besonderer Nachmittag mit Simon und Jan Fedder

So, diese Woche hat tatsächlich noch niemand ein Buch von mir gekauft.
Muss ich mal wieder eine kleine Online-Lesung machen? Hier ist sie. Unverfälscht aus meinem Buch:

Dank meiner Online-Magazine kam ich weiterhin in den Genuss von Presse-Akkreditierungen, ein kleiner Vorteil, den ich natürlich nicht ungenutzt ließ. So führte mich mein Weg 1998 auch zum Wallsbüll Open Air im Norden Schleswig-Holsteins. Und diesmal nahm ich meinen Sohn Simon mit. Mein Nesthäkchen sollte schließlich auch mal Festival-Luft schnuppern, möglichst ohne gleich im Schlamm zu versinken, wie sein Vater ein Jahr zuvor zusammen mit Schoppi in Roskilde.

„Papa, meinst du, da gibt’s auch Pommes?“ fragte Simon, kaum dass wir das Gelände betraten. Ich musste grinsen. „Bekommst du. Aber Simon, wir gehen nicht auf ein Festival für Pommes. Wir gehen, weil ich dir etwas zeigen will.“

Denn neben der Musik war für mich der Backstage-Bereich das eigentliche Highlight. Und genau dort verschlug es uns dann auch. Nicht lange, und wir trafen auf Jan Fedder, der mit seiner Band dort ebenfalls einen Auftritt hatte, Hamburger Schauspieler, Musiker und irgendwie die personifizierte norddeutsche Gelassenheit.

Natürlich nutzte ich die Gelegenheit und nahm Simon mit in seinen Wohnwagen. Wenn man schon mal VIP-Zugang hat, sollte man ihn auch standesgemäß einsetzen.

Simons Backstage-Erlebnis

Jan Fedder saß entspannt mit seiner Band zusammen, ein paar Bierchen standen auf dem Tisch, und die Stimmung war so locker, als würde man sich seit Jahren kennen. Als wir eintraten, grinste er breit. „Moin, hallo Kleiner, was mokst du denn hier? Setzt euch mal hin.“
Simon war sofort beeindruckt. Und ich? Ich nahm dankend das angebotene Bier an, man will ja nicht unhöflich wirken, und hielt mich ansonsten angenehm im Hintergrund.

Zwischen Jan und Simon entwickelte sich schnell ein Gespräch, das deutlich lebhafter war als alles, was ich hätte beitragen können.
„Wie alt bist du denn?“ fragte Jan und nahm einen Schluck. „Elf,“ antwortete Simon stolz. Jan lachte. „Elf! Junge, mit elf Jahren wäre ich auch gerne mal auf ein Konzert gegangen.“

Er klopfte Simon auf die Schulter, und ich merkte, wie sehr Simon diesen Moment aufsog. Worum genau es in ihrem Gespräch ging? Ehrlich gesagt, ich habe keine Ahnung. Ich war zu sehr damit beschäftigt, die Atmosphäre zu genießen und mich innerlich darüber zu freuen, dass Simon gerade eine dieser Erinnerungen sammelte, die man nicht planen kann.

Und, zugegeben: Das Bier war auch nicht schlecht. Als wir uns verabschiedeten, rief Jan uns noch hinterher: „Junge, viel Spaß noch und bleib so wie du bist, Simon!“ Simon nickte ernst. Ich ahnte, dass die Bedeutung dieser Worte erst später bei ihm ankommen würde, wie so vieles im Leben.

Damit war dieser Sommertag perfekt. Wir fuhren dann abends nach vielen Bands nach Hause, mit einer Geschichte mehr im Gepäck und der leisen Erkenntnis, dass manchmal ein paar Worte in einem Wohnwagen ausreichen, um Eindruck zu hinterlassen. Und dass Festivals eben doch mehr sind als Pommesbuden.