
In meinem Buch geht es ja um viel Privates, aber eben auch vieles, was öffentlich geschah. Dazu zählt auch die Gründung der Rockinitiative Nordfriesland, kurz gesagt Rocki NF. Wieso und warum, kann sogar ich nicht mehr genau sagen. Aber unsere eigene Band „Zocco“ kam irgendwie nie in die Gänge und so wurden andere Ideen geboren. Hier ein kleiner Ausschnitt aus dem Buch, so oder ähnlich wird sich die Gründung von Rocki NF wohl zugetragen haben.
(Es ist hoffentlich offensichtlich, dass dieses Foto KI ist und lediglich als Symbolbild zur Gründung der Vereins von mir erstellt wurde. Fotografiert haben wir uns nämlich nicht dabei. Die Personen sind also frei erfunden. 🙂 )
Wenn schon keine eigene Musik, dann eben für andere
Ab sofort war ich nicht mehr nur Musiker, sondern auch Funktionär, ein Wort, das mir innerlich jedes Mal einen kleinen Schauer über den Rücken jagte. Funktionär. Das klang nach Schlips, Krawatte und endlosen Sitzungen mit Filterkaffee. Aber die Rockinitiative Nordfriesland, kurz Rocki NF, war mein Baby. Zusammen mit Jonny, Uwe, Arne und anderen Idealisten hoben wir sie Ende 1984 aus der Taufe. Unser Ziel war klar: die nordfriesische Musikszene beleben und den unzähligen Amateurmusikern der Region endlich eine Plattform bieten.
„Also, Leute, wir brauchen einen Plan!“ sagte ich bei unserer ersten Sitzung und versuchte dabei möglichst so zu klingen, als hätte ich tatsächlich einen.
Jonny hob seine Gitarre in die Luft, als wäre sie eine brennende Fackel. „Wir könnten eine LP mit anderen Bands aufnehmen. Vielleicht packen wir auch den einen oder anderen Song von uns drauf. Ganz tot ist Zocco ja noch nicht.“
„Ja, und dann?“ fragte Uwe, Bassist von Grecajago – meiner ersten Band – skeptisch. „Wir brauchen Übungsräume, wir brauchen Gigs, wir brauchen … Geld!“
Das Wort hing schwer im Raum. Geld war nämlich genau das, was keiner von uns hatte.
Ich ließ mich davon natürlich nicht beirren. „Dann gründen wir eben einen Verein! Wir melden uns offiziell an, beantragen die Gemeinnützigkeit und … na ja, dann werden wir reich und berühmt!“
Ich grinste breit. Die anderen schauten leicht irritiert, aber irgendwie war allen klar: Ich meinte das ernst. Zumindest den Teil mit dem Verein.
Und so kam es tatsächlich. Rocki NF wurde ein eingetragener Verein, komplett mit Satzung, Vorstand und regelmäßigen Treffen. Ich, der Initiator, wurde zum ersten Vorsitzenden gewählt. Ganz demokratisch natürlich. Und ganz zufällig auch deshalb, weil sich sonst niemand wirklich um den Job riss.
Meine erste Amtshandlung: einen Versammlungsort für unsere zukünftigen Aufgaben zu finden.
Was ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahnte, war, wie sehr mich diese Rolle verändern würde. Plötzlich ging es um Übungsräume organisieren, Gagen verhandeln, Sponsoren finden und – nicht zu unterschätzen – Musiker koordinieren. Denn wie sich schnell herausstellte, waren Musiker eine ganz eigene Spezies: ideenreich, talentiert … und oft komplett chaotisch.
Das war der Beginn eines neuen Kapitels in meinem Leben, in dem Organisation mindestens genauso wichtig wurde wie Musik. Für mich fühlte sich das trotzdem wie eine logische Fortsetzung meines Hobbys an. Rocki NF war nicht nur ein Verein, sondern eine Bewegung – und ich steckte mittendrin.
Ein Rockstar ohne Bühne, aber mit Telefon und Notizbuch. Und erstaunlich wenig Schlaf.
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PS: Rocki NF existiert auf dem Papier immer noch. Und wird vielleicht bald von einer jüngeren Generation wieder zum Leben erweckt.
